Faktor-Zertifikate – Die Millionenfalle

Vorliegend mehren sich die Fälle, in denen sich Anleger an die Kanzlei wenden und um Überprüfung sogenannter Faktor-Zertifikate bitten.

Dabei handelt es sich um eine nach unserer Auffassung besonders gefährliche Anlageform, denn Verluste werden ungleich schwerer an den Anleger weitergegeben. Diese Anlageform hat nach Auffassung von Fachanwalt Helge Petersen nichts in den Händen von Privatanlegern zu suchen.

Faktor-Zertifikate werden vom Herausgeber mit einem gewissen Faktor versehen. Dies klingt für eine Anleger zunächst interessant, denn er hat so die Möglichkeit die Rendite an einem Tag zu verfünffachen.

Allerdings: Er kann auch an einem Tag den Verlust verfünffachen, denn der Faktor wirkt in beide Richtungen. Der tatsächliche Wert des Zertifikats wird anhand eines Basisfaktors gemessen. Dieser sogenannte „gehebelte“ Index wird anhand von Bewertungszeitpunkten gemessen und bildet den Wert des Zertifikats ab. Dabei wird der Faktor auf die Wertveränderung direkt angewandt und daraus der Wert des Zertifikats ermittelt. Gerade bei gleichförmigen Märkten mit geringen Schwankungen kann es dabei zu erheblichen Verlusten kommen.

Dazu ein Rechenbeispiel anhand eines fiktiven Faktor-Zertifikats mit einem Faktor von X5 und einer Anlagesumme von 100 €:

faktor-zertifikate-beispiel

Die Auswirkungen des Faktors sind mehr als deutlich. Ein Anleger kann binnen vier Tagen 85% seiner Investitionssumme verlieren, obgleich der Markt sich in dieser Zeit bereits wieder auf das Startniveau erholt hat.

Innerhalb der Zertifikate wird oftmals eine Art „Rettungsbarriere“ konstruiert, so dass bei erheblichen Kursverlusten die Papiere anhand eine fixierten Barriere (zum Beispiel maximal 9%) für einen Stichtag aufgehalten werden. Dieser Schutz ist allerdings nach Auffassung von Rechtsanwalt Helge Petersen weitestgehend wirkungslos, da schon kleine regelmäßige Schwankungen den Schaden für den Anleger erheblich erhöhen und selbst auf den Barrierewert der Faktor angewandt wird.

„Gerade der Quereinstieg in solche Produkte ist sehr gefährlich“, so Helge Petersen, „Der Anleger erwirbt das Zertifikat in einem steigenden Marktumfeld zu einem bereits deutlich erhöhten Kurs und wird von den Verlust ungleich härter getroffen.“

Die aktuellen Kurse solcher Papiere zeigen dies deutlich:
Das Faktor 10x Long Zertifikat auf DAX Future der Commerzbank AG, WKN: CR468T wurde zu 10 € pro Anteil im Jahr 2014 emittiert. Der derzeitige Kurs liegt bei 3,49 € (Stand: 16.09.2015 Quelle: zertifikate.boerse-frankfurt.de )

Auch das Faktor 10x long Zertifikat auf DAX der Deutschen Bank, WKN: XM9L10 wurde ab 8,44 € pro Anteil im Juni 2015 emittiert. Der jetzige Kurs ist auf 1,48 € gefallen (Stand: 16.09.2015 Quelle: zertifikate.boerse-frankfurt.de )

Fachanwalt Helge Petersen resümiert: „Die emittierenden Banken haben mit der Auflage eines derartigen Produktes etwas geschaffen, das eine Einladung zur Falschberatung durch den Vertrieb ist. Denn dem normalen Privatanleger wird nicht klar sein, dass er durch die „Wette“ auf den mutmaßlich sicheren DAX innerhalb eines Tages über 80% seiner Investitionssumme verlieren kann.“

Fachanwalt Helge Petersen rät Anlegern, denen ein derartiges Produkt von Ihren Banken empfohlen wurde, zu einer juristischen Prüfung ihrer Schadensersatzansprüche.


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