WDR und BR – die story zeigt „Die Bank an Ihrer Seite“

„Mit unseren Steuergeldern finanziert“ – Der Kampf gegen die Commerzbank dauert an.

2009 wurde die Commerzbank mit Steuergeldern gerettet und die Hoffnung stand im Raum, dass Bankenkrise gestern war. Diejenigen, die alles verloren haben, hoffen auch, und zwar auf ihr Recht. Hierbei handelt es sich vor allem um alte Menschen, die durch die Beratung ihr Erspartes verloren haben. Paradox, denn es handelt sich um die Menschen, die die Bank seit Jahren indirekt mit ihren Steuergeldern stützen.

UPDATE: Am Mittwoch, 07. Januar 2015 hat das Bayrische Fernsehen den Beitrag unter dem Titel „Die Kontrovers-Story – Die Bank an Ihrer Seite“ wiederholt.
Sehen Sie hier den Beitrag in voller Länge.

Gestern zeigte WDR – die story im Beitrag „Die Bank an ihrer Seite“ den Kampf der Anleger um ihr Geld und deckte auf, dass sich seit der Bankenkrise im Grunde nicht so viel verändert hat.

  • Ein Beispiel:

    Einer Rentnerin wurde ein Schiffsfonds mit 90.000 Euro Einlage verkauft. Nach ihrem Tod bekamen ihre drei Kinder davon Kenntnis. Eine Tochter klagt aktuell gegen die Commerzbank. Nicht nur, dass das Produkt nicht in die Lebenswelt einer 78-jährigen Landarbeiterin passt, zumal das Produkt eine Laufzeit von 20 Jahren aufweist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Rentnerin zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits von Demenz betroffen war.

  • Helge Petersen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Kiel, kommentiert:

    „Das ist unglaublich, wenn ich überlege, dass dieses Produkt nur funktioniert, wenn ich noch maximal lange lebe. Sie hätte weit über hundert werden müssen, damit sich das für sie hätte lohnen können. Also je älter und kränker jemand ist, umso besser ist der Profit [für die Bank].“

    Der Rentnerin wurde eine geschlossene Schiffsbeteiligung mit einer Laufzeit von 20 Jahren inklusive aller unternehmerischen Risiken empfohlen. Wenn der Fonds pleitegeht, bekommt das Geld für den Verkauf des Schiffes allerdings jemand anderes: die Bank. „Der Anleger kann sogar froh sein, wenn der Insolvenzverwalter nicht bei ihm ankommt und eventuell erhaltene Ausschüttungen zurückfordert. Denn der Anleger hatte ja eine unternehmerische Beteiligung erworben. Zu der gehört nicht nur das Risiko des Totalausfalls, sondern auch die Beteiligung am möglichen Verlust“, erklärt ein Gutachter, der aufgrund seiner Recherchen unerkannt bleiben will.

Herr Petersen erklärt das System Commerzbank:

„[…] Es geht einfach nicht um die einzelne Beratung, die aus Versehen fehlschlägt, sondern es geht um ein System. Wenn ich die Commerzbank habe, habe ich nicht irgendeinen Berater, der hier, in Neuruppin, durchdreht und Verluste baut oder die Anleger schlecht berät, sondern ich habe ein Deutschlandthema. […] Woher wissen wir das? Wir haben unzählige Prozesse gegen Banken geführt, vergleichen uns nicht, hören uns in der Zeugenvernehmung den Berater an und sehen: Das Vokabular ist immer gleich und übrigens auch die Beschwerde ist immer gleich. Bei der Commerzbank haben ganz viele Berater gesagt: ‚Ich hab das gar nicht verstanden, ich sehe den Sinn nicht für den Kunden.‘ Und da war immer die Antwort vom Zweigstellenleiter: ‚Wenn du hier irgendwie weiterkommen willst, dann stell diese Frage nicht.‘“

Konfrontiert mit dem Vorwurf, konnte die Commerzbank keine zufriedenstellende Auskunft geben. Ein ehemaliger Berater fügt hinzu: „In diversen Jahren, die ich da war, wurde nie über die Bedürfnisse der Kunden gesprochen.“ Und ein anderer fügt tatsächlich hinzu: „Es hat sich wenig bis gar nichts geändert.“

  • Ein weiteres Beispiel:

    Investitionen in die MS Virginia. Nach Abgleich mit der in der Branche anerkannten Schauland-Formel zeigt sich, dass die MS Virginia von vornherein nicht rentabel fährt. Auch der Schwerölverbrauch, der relevant für den Erfolg eines Schiffes ist, liegt deutlich über dem, was für ein Schiff ertragreich wäre, da eine minderwertige Schiffsmaschine eingebaut ist. Der hohe Verbrauch macht das Schiff unattraktiv für Charterer. Konfrontiert mit den Vorwürfen, gibt die Lloyd Fonds an, sich keiner Schuld bewusst zu sein. Die Anleger würden das Risiko tragen und seien sich dessen auch bewusst. Die Anleger seien selbst schuld und man würde sich auch keinen Millimeter auf die Anleger zubewegen.

  • Auch hier liefert der Gutachter Insiderinformationen:

    „Diese Anlage war von Anfang an aussichtslos und das musste die Commerzbank als alleiniger Vertriebspartner wissen. Diese Sorgfaltspflicht hatte sie, da sie ja schließlich mit den Kunden gesprochen und ihnen diese Anlage verkauft hat.“

    Aber die Commerzbank propagiert weiterhin, dass ein Wandel der Unternehmenskultur stattgefunden hat. Ein Blick in das aktuelle Portfolio hingegen zeigt jedoch, dass vieles beim Alten geblieben ist und WDR – die story resümiert:

    Es gibt sie also immer noch – kostenintensive und komplizierte Produkte für Privatkunden. Und auch der Druck auf die Berater zu verkaufen nimmt nicht ab.

U.a. von der Commerzbank vertriebene Produkte, die im TV-Beitrag erwähnt werden:
PMIA – Premium Management Immobilien Anlagen –P (WKN: A0ND6C), CFB 166 – Twins 1 (Schiffsfonds), MS „Nedlloyd Adriana“ KG, MS „Nedlloyd Valentina“ KG, Lloyd Fonds LF 63 MS Virginia, Generali Lebensversicherung


Für weitere Fragen zum Thema stehen Ihnen das Team der Kanzlei Helge Petersen & Collegen gerne zur Verfügung.
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